Journalismus

Einträge in dieser Schublade

Alan Rusbridger bringt es auf den Punkt

von Rudy Gasson am 26. Januar 2010 | Schublade: Journalismus, Reality 2.0

In seiner absolut lesenswerten Rede zum Gedenken an Hugh Cudliff hat Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, sich fundiert und weitblickend gegen die Idee von Paywalls für Newsportale im Internet ausgesprochen. Er geht sogar so weit und stellt den klassischen Begriff des Journalismus scherzhaft in Frage, um zu verdeutlichen, wo die Denkfehler vieler seiner Kollegen weltweit zu suchen sind.

Für mich ist das eine Zäsur in der globalen Medienkrise. Denn hier spricht keiner der üblichen Web 2.0-Träumer, sondern ein Journalist in leitender Position, der sich der riesigen Aufgabe des Medienwandels konstruktiv und offen gestellt hat und nicht versucht, mit allen nur erdenklichen und unsinnigen Mitteln ein altes Geschäftsmodell zu retten. Er nimmt nach wie vor die Idee hinter dem Begriff des Journalismus ernst und bringt das Denkproblem vieler Zeitungsmacher auf den Punkt:

If you think about journalism, not business models, you can become rather excited about the future. If you only think about business models you can scare yourself into total paralysis.

(Wer es etwas kürzer mag, kann sich auch das dazugehörige Interview als Video ansehen).

Lesebefehl: Tom Schimmecks Rede auf dem MMD 2009

von Rudy Gasson am 14. November 2009 | Schublade: Journalismus, Reality 2.0

“[…] Damit sind wir auf einer neuen Stufe in dem nach unten offenen Tiefgeschoss der Publizistik angekommen. Früher hieß es: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Heute reden wir von einem brutalen Entweder-Oder: Fressen ODER Moral.”

(Tom Schimmeck über die Verquickung von PR und Journalismus)

Tom Schimmeck, Journalist und unter anderem Mitbegründer der taz, rechnet in seiner Rede zum Thema “Preis und Wert des Journalismus” auf dem Mainzer Medien Disput 2009 schonungslos mit seinem eigenen Berufsstand und den Verlegern ab.

Besser kann man das Debakel rund um die Gegenwart und Zukunft des Journalismus kaum zusammenfassen.

Lesebefehl!

 


Interview: Clay Shirky über das Copyright

von Rudy Gasson am 9. November 2009 | Schublade: Journalismus, Web 2.1

Watch Murdoch fall - Update 1

von Rudy Gasson am 9. November 2009 | Schublade: Journalismus, Web 2.1

Heute ist der Fall der Berliner Mauer 20 Jahre her. Es ist der eigentliche Feiertag für jene, die an die Macht des zivilen Ungehorsams glauben und vielleicht auch für jene, die daran glauben, dass Mauern keine Lösung für ökonomische Probleme sein können.

Ich gebe zu, dass diese Überleitung zum Thema ein wenig konstruiert erscheint, aber angesichts der jüngsten Entwicklungen in der Medienkrise und der zu erwartenden ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen scheint sie mir angebracht.

Medienmogul Rupert Murdoch hat nicht nur vor, seine Online-Angebote1 zukünftig (wenn auch später als geplant) hinter einer Bezahl-Mauer zu verstecken, nein, er will sie (dann) auch aus der Google-Suche entfernen, da er Google, Microsoft und noch ein paar andere als Parasiten betrachtet, die ihm seinen “Content” klauen.

Nun ist es technisch sehr einfach, die eigenen Angebote aus der Suche von Google zu entfernen, dazu ist lediglich eine winzige Textdatei im entsprechenden Verzeichnis erforderlich, die der Suchmaschine sinngemäß mitteilt: Nö, lass ma. Warum die Murdoch-Medien das nicht schon längst getan haben, darauf gibt Murdoch keine Antwort.

Es scheint in den Führungsetagen der betroffenen Unternehmen von Murdoch niemanden zu geben, der ihm erklären kann, dass er da mit aller Kraft an dem Ast sägt, auf dem vor allem die Mitarbeiter seines Imperiums sitzen.

Update 2: Google antwortet

Google sagt (sinngemäß):

Lieber Herr Murdoch,

ein Wort von Ihnen, und wir nehmen ihre gesamten News-Inhalte aus unserem Index, kein Problem.

Mit freundlichen Grüßen…

Das schreibt zumindest der Telegraph.


  1. Unklar ist noch, ob sich das nur auf ausgewählte Bereiche oder auf fast alle Online-Angebote der News Corp. bezieht. Immerhin gehören auch Plattformen wie MySpace und GIGA zum Konzern []

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