Kennt Ihr das? Ihr lest einen Text und fühlt Euch danach nicht belehrt, sondern ertappt und getroffen? Und danach ist nichts mehr so wie vorher?

Ich gebe zu, das klingt ziemlich romantisch und passiert den meisten wohl auch eher in jungen Jahren und vor allem in der Pubertät. Bei mir muss es so mit Anfang Zwanzig passiert sein, genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich habe den Text nie vergessen, nur den Titel. Ich wusste noch, dass er von Heinrich Böll war und von einem Fischer und einem Touristen erzählte. Ich dachte auch, dass ihn die meisten kennen werden, aber meine gelegentliche Nachfrage ergab das Gegenteil.

Ich habe schon lange nicht mehr an den Text gedacht und bin natürlich auch in den letzten Jahren nie auf die Idee gekommen, mal nachzuforschen. Aber heute nun hat mich meine alltägliche Prokrastination in diese Richtung getragen. Und siehe da: der Titel ist noch besser, als ich dachte. Es ist die

“Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral” (1963)

Fast ein wenig zu programmatisch für meinen heutigen Geschmack, aber der Text ist immer noch absolut aktuell und wirkungsvoll, vielleicht sogar noch aktueller als vor zwanzig Jahren. Die Arbeitsethik und ihre Herkunft scheinen in der Öffentlichkeit heute kein Thema mehr zu sein, der Markt bestimmt scheinbar die Ethik. Dabei könnte man den Text frei nach Max Weber auch “Der Protestant am Strand” nennen, oder so…