Warum nicht eine Stiftung gründen, um in Zukunft Daten von Insidern anzukaufen und so dem Staat die größten Steuerhinterzieher frei Haus zu liefern? Das würde dem Volkssport der Superreichen wieder etwas mehr Kick liefern, die Latte höher hängen und lästige moralische Scheindiskussionen verhindern.
Außerdem könnte die Stiftung natürlich nach dem Liechtensteiner Modell funktionieren… oder sind Aufwendungen zur Beschaffung von Beweismitteln nicht generell von der Steuer absetzbar?
Eine Gesetzgebung in den USA führt dazu, dass Portale für freie Software den Zugang für Benutzer aus sogenannten “Schurkenstaaten” sperren. In Europa werden Gesetze zur Abschaltung individueller Internetzugänge bei unverhältnismäßig kleinen Vergehen verwirklicht und vorbereitet (”digitale Todesstrafe”) und in Deutschland erfährt man nur durch die Hintertür der Anbieter selbst, was da auf uns zurollt.
Wärenddessen arbeiten die Verlegerkonzerne mit Nachdruck daran, Paywalls zu errichten und (in Deutschland) ein höchst fragwürdiges Leistungsschutzrecht durchzudrücken, sodass die von Ihnen verbreiteten Inhalte möglicherweise nur noch auf speziellen Geräten und gegen Bezahlung gelesen werden können. Das lang erwartete und heute vermutlich vorgestellte Apple-Tablet könnte ein solches Gerät werden, nehme ich an. Wenn die Verlage sich auf Exklusivverträge mit mächtigen Herstellern und Vertriebsplattformen einigen, könnte ein solches Modell entstehen, so wie früher bei Microsoft. Dann sind die Tage des freien Netzes gezählt und es entsteht eine Art Klassengesellschaft im Netz.
In seiner absolut lesenswerten Rede zum Gedenken an Hugh Cudliff hat Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, sich fundiert und weitblickend gegen die Idee von Paywalls für Newsportale im Internet ausgesprochen. Er geht sogar so weit und stellt den klassischen Begriff des Journalismus scherzhaft in Frage, um zu verdeutlichen, wo die Denkfehler vieler seiner Kollegen weltweit zu suchen sind.
Für mich ist das eine Zäsur in der globalen Medienkrise. Denn hier spricht keiner der üblichen Web 2.0-Träumer, sondern ein Journalist in leitender Position, der sich der riesigen Aufgabe des Medienwandels konstruktiv und offen gestellt hat und nicht versucht, mit allen nur erdenklichen und unsinnigen Mitteln ein altes Geschäftsmodell zu retten. Er nimmt nach wie vor die Idee hinter dem Begriff des Journalismus ernst und bringt das Denkproblem vieler Zeitungsmacher auf den Punkt:
If you think about journalism, not business models, you can become rather excited about the future. If you only think about business models you can scare yourself into total paralysis.