In seiner absolut lesenswerten Rede zum Gedenken an Hugh Cudliff hat Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, sich fundiert und weitblickend gegen die Idee von Paywalls für Newsportale im Internet ausgesprochen. Er geht sogar so weit und stellt den klassischen Begriff des Journalismus scherzhaft in Frage, um zu verdeutlichen, wo die Denkfehler vieler seiner Kollegen weltweit zu suchen sind.

Für mich ist das eine Zäsur in der globalen Medienkrise. Denn hier spricht keiner der üblichen Web 2.0-Träumer, sondern ein Journalist in leitender Position, der sich der riesigen Aufgabe des Medienwandels konstruktiv und offen gestellt hat und nicht versucht, mit allen nur erdenklichen und unsinnigen Mitteln ein altes Geschäftsmodell zu retten. Er nimmt nach wie vor die Idee hinter dem Begriff des Journalismus ernst und bringt das Denkproblem vieler Zeitungsmacher auf den Punkt:

If you think about journalism, not business models, you can become rather excited about the future. If you only think about business models you can scare yourself into total paralysis.

(Wer es etwas kürzer mag, kann sich auch das dazugehörige Interview als Video ansehen).